Scheinchen wechsel dich

Zu den ersten serbischen Wörtern, die hängen bleiben, gehört »Menjačnica«. Die Wechselstuben stellen in Novi Sad, Belgrad und Niš an jeder dritten Ecke Tafeln ihrer Kurse auf den Bürgersteig, die auf eine Kammer in der Hauswand verweisen.

Konkurrenz belebt das Geschäft: Wechselstuben in NišDarin sitzt meist eine Frau wie in einem Bankschalter hinter Glas, hat eine Rechenmaschine neben sich und einen Drucker. Den ganzen Tag gehen die Leute ein und aus, als gehöre es dazu, wie der Abstecher zum Zigarettenkiosk. Sie reichen einen oder mehrere Scheine über den Tresen, die Frau hinterm Glas tippt, das Maschinchen rattert, spuckt eine Berechnung aus und dann öffnet sie eine Schublade und zählt den Betrag ab.

An Touristen wendet sich das Angebot der Wechselstuben nicht, dafür gibt es zuviele »Menjačnicas« für zu wenige Touristen. In Niš häufen sich die Stuben zudem in der touristisch unverdächtigen Marktstraße, die etwas schmuddelig und manchmal sogar schäbig wirkt. Und doch reihen sich sechs, sieben Wechselstuben hier auf einer Länge von vielleicht fünfhundert Metern aneinander. Aber es sind nicht, wie zunächst vermutet, Währungen aus den Nachbarländern die hier nach aktuellem Kurs berechnet werden. Statt dessen erklärt ein junger Mann, er tausche überwiegend, Euro, Dollar und Schweizer Franken. Für weitere Aufklärungen taugt sein Englisch leider nicht.

Die Vermutung, Serben, die im Ausland arbeiten, schickten Geld nach Hause (z.B. soll Chicago die zweitgrößte serbische Stadt sein mit 400.000 Immigranten), und schüfen so Arbeitsplätze für Geldwechsler, bestätigt ein Kollege des jungen Mannes. Aber das wichtigste sei, erklärt schließlich eine junge Frau, die Menschen sparten ihr Geld nicht als Dinar, sondern als Euro-Franken-Dollar um der fortschreitenden Entwertung der der serbischen Währung zu entgehen. Der Dinar hat allein in den letzten sechs Wochen vier bis fünf Prozent gegenüber dem Euro verloren. Bei einem Durchschnittsgehalt von 300 Euro, das vorne und hinten nicht reicht, ist der Umtausch des Wochen- oder Monatslohns in eine stabile Währung ein Mittel zur Existenzsicherung.